Goldpreis
109.2000
Eskalation im Zollstreit zwischen den wirtschaftlich eng verflochtenen Nachbarn USA und Kanada: Nach dem Scheitern tagelanger Verhandlungen traten am Samstag neue US-Zölle auf kanadische Produkte in Kraft. Kanadas Premierminister Mark Carney warf US-Präsident Donald Trump vor, einen Handelskrieg losgetreten zu haben und kündigte Vergeltungszölle an, worauf Trump am Sonntag erbost reagierte.
"Kanada will die Vorteile eines Staates haben, ohne einer zu sein", schrieb Trump, der wiederholt gefordert hatte, Kanada zum 51. US-Bundesstaat zu machen, in seinem Onlinedienst Truth Social. "Sie haben auch unseren großartigen Farmern viele Jahre lang massive Zölle auferlegt", schrieb Trump weiter. Damit sei es nun vorbei. Auch der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer stellte eine Reaktion auf die kanadischen Gegenzölle in Aussicht.
Carney hatte am Samstag angekündigt, die US-Zölle "Dollar für Dollar" zu erwidern. Die neuen kanadischen Aufschläge sollen am 8. September in Kraft treten und besonders die US-Stahl- und Milchindustrie treffen. Auch die Papierbranche, Agrarmaschinen und Elektronik sollen betroffen sein.
Carney warf Trump vor, einen Handelskrieg losgetreten zu haben. "Man befindet sich im Krieg, wenn man angegriffen wird. Wir sind angegriffen worden", sagte er. Die USA hätten "unfaire" und "wirtschaftlich unsinnige" Bedingungen gestellt. "Wir können das, was sie angeboten haben, nicht akzeptieren, und wir werden ihnen nicht geben, was sie verlangt haben."
Nach Carneys Darstellung versuchten die USA zudem in letzter Minute, Kanadas Möglichkeiten für Handelsabkommen mit anderen Staaten einzuschränken. Er verwies außerdem auf "Drohungen gegen die französische Sprache", die etwa die Pflicht zur Kennzeichnung von in Kanada verkauften Produkten auf Englisch und Französisch betrafen. Beide Sprachen sind in Kanada Amtssprachen.
Der US-Handelsbeauftragte Greer machte dagegen Kanada für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich. Washington habe im Gegenzug für Zugeständnisse Ottawas Zollsenkungen bei Stahl, Aluminium und Autos sowie die Abschaffung eines jüngst verhängten Zolls auf kanadisches Holz angeboten, sagte er "New York Times". Kanada habe es dennoch abgelehnt, ein Abkommen zu Bedingungen abzuschließen, die zuvor bereits vereinbart gewesen seien. Neue Verhandlungen mit Ottawa seien derzeit nicht geplant, ergänzte Greer im Sender Fox News.
Die neuen US-Zölle in Höhe von 50 Prozent betreffen bestimmte kanadische Produkte im Wert von rund 20 Milliarden Dollar (gut 17 Milliarden Euro). Das entspricht zwar nur 5,5 Prozent der kanadischen Exporte in die USA. Erstmals hat Washington allerdings auch Waren ins Visier genommen, die unter das nordamerikanische Freihandelsabkommen USMCA fallen. Betroffen sind unter anderem Hockeyschläger, Wein und Zement.
Eigentlich sollten die neuen Aufschläge bereits in der Nacht zum Mittwoch in Kraft treten. Kurz davor hatte Trump dies unter Verweis auf Fortschritte bei den Verhandlungen noch um drei Tage verschoben, die anschließenden Gespräche scheiterten jedoch.
In Kanada bekam Carney viel Unterstützung für seinen harten Kurs. Der Regierungschef der Provinz Ontario, Doug Ford, erklärte, Trump könne "nicht vertraut werden".
Das Freihandelsabkommen USMCA, das Trump in seiner ersten Amtszeit selbst ausgehandelt hatte, steht unterdessen zur Überprüfung an. Die USA lehnen eine Verlängerung des Abkommens in seiner bisherigen Form ab. Solange keines der drei Mitgliedsländer - USA, Kanada und Mexiko - aus dem Abkommen aussteigt, gilt es zunächst weiter und wird nun jährlich überprüft.
Die Volkswirtschaften der USA und Kanadas sind eng miteinander verflochten. Rund 70 Prozent aller kanadischen Exporte gehen in die Vereinigten Staaten. Unter Trump haben sich die Beziehungen jedoch massiv verschlechtert. Dazu trugen auch die wiederholten Äußerungen des US-Präsidenten bei, das Nachbarland solle Teil der USA werden.
Die einflussreiche US-Managervereinigung Business Roundtable warnte angesichts der Eskalation im Handelsstreit, die neuen Zölle drohten die Kosten für US-Unternehmen und Verbraucher zu erhöhen, und rief beide Regierungen zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.
K.Nakajima--JT