The Japan Times - "Rache"-Rufe und Tränen: Beginn der Trauerfeiern für Chamenei im Iran

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"Rache"-Rufe und Tränen: Beginn der Trauerfeiern für Chamenei im Iran
"Rache"-Rufe und Tränen: Beginn der Trauerfeiern für Chamenei im Iran / Foto: ATTA KENARE - AFP

"Rache"-Rufe und Tränen: Beginn der Trauerfeiern für Chamenei im Iran

Massenandrang in Teheran zum Beginn der sechstägigen offiziellen Trauerfeierlichkeiten für den getöteten obersten Führer Ayatollah Ali Chamenei: Tausende Menschen, einige mit Tränen in den Augen, sind am Samstag zum Moschee-Komplex der Großen Mosalla von Teheran geströmt,, um dem langjährigen Machthaber die letzte Ehre zu erweisen. Nach dem von den USA und Israel begonnenen Krieg, der mit der Tötung des obersten iranischen Führers Chamenei begann, ist die Trauerfeier auch eine Machtdemonstration sein.

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Viele Trauernde waren schwarz gekleidet, einige trugen blutrote Fahnen, im schiitischen Islam ein Symbol für Rache. Streng nach Geschlechtern getrennt füllten tausende Frauen und Männer den Moschee-Komplex, in dem Rufe wie "Tod Amerika" und "Rache, Rache" zu hören waren. Auf roten Transparenten war "Rache" oder "Tötet Trump" zu lesen, Trauernde hielten das Porträt des neuen obersten Führers und Chamenei-Sohns Modschtaba Chamenei in die Höhe.

Viele Menschen waren schon in den frühen Morgenstunden eingetroffen, bevor das Staatsfernsehen den offiziellen Beginn der Trauerfeierlichkeiten verkündete. Wegen hoher Temperaturen, die in den kommenden Tagen auf fast 40 Grad ansteigen könnten, wurde die Menschenmenge mit Wasser besprüht.

"Der Führer war ein Vater für uns alle. Mit seinem Tod sind wir alle zu Waisen geworden", sagte der 38-jährige Geistliche Mohammed Mirsalehi. "Es gab niemand anderen wie ihn. Er war einfach einzigartig und unvergleichlich." Der 18-jährige Student Hamidresa Schabani sagte: "Wir müssen uns erheben und, so Gott will, das Blut unseres Anführers rächen."

Die iranischen Behörden rechnen allein in Teheran mit 15 bis 20 Millionen Teilnehmern. Insgesamt sind sechstägige Trauerfeierlichkeiten für Chamenei geplant, der den Iran von 1989 bis zu seinem Tod Ende Februar als oberster Führer geprägt hatte.

Der 86-Jährige war am 28. Februar am ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen den Iran bei Angriffen in Teheran getötet worden. Mit ihm zusammen starben mehrere seiner Angehörigen und andere ranghohe Vertreter der iranischen Führung.

In der Großen Mosalla waren am Samstag fünf in die iranische Flagge gehüllte Särge auf einem Podium zu sehen - darin die Leichname Chameneis sowie seines Schwiegersohns, seiner Tochter, der Ehefrau seines Sohnes Modschtaba Chamenei sowie seiner 14 Monate alten Enkelin. Auf Chameneis Sarg lag der für ihn typische schwarze Turban.

Chameneis Sarg soll bis Montag in Teheran aufgebahrt bleiben, dann ist ein Trauerzug durch die Hauptstadt geplant. Am Dienstag soll der Sarg in die schiitische Gelehrtenstadt Ghom gebracht werden, am Mittwoch in schiitische Heiligtümer im Nachbarland Irak. Die Beisetzung ist für Donnerstag in Chameneis Heimatstadt Maschhad im Nordosten des Iran vorgesehen. Dort soll er zusammen mit seinen getöteten Familienmitgliedern begraben werden.

Die Feierlichkeiten gelten auch als Machtdemonstration der Islamischen Republik gegenüber ihren Gegnern. Sie finden vor dem Hintergrund einer brüchigen Waffenruhe und diplomatischer Bemühungen um ein Ende des Krieges statt.

Chameneis Sohn und Nachfolger Modschtaba Chamenei zeigte sich bei den Trauerfeierlichkeiten bis Samstagnachmittag nicht der Öffentlichkeit. Er war eine Woche nach dem Tod seines Vaters zum neuen obersten Führer des Landes ernannt worden, ist seitdem aber nie öffentlich aufgetreten. Berichten zufolge wurde er bei demselben Angriff verletzt, bei dem sein Vater getötet wurde. Bislang kommunizierte er nur über schriftliche Erklärungen.

Seit dem 8. April herrscht in dem Krieg eine brüchige Waffenruhe. Mitte Juni einigten sich der Iran und die USA auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges. Beide Seiten haben aber gedroht, dass sie die Kämpfe jederzeit wieder aufnehmen könnten.

Die Tötung Chameneis nach mehr als dreieinhalb Jahrzehnten an der Macht hat in der Islamischen Republik eine neue Ära eingeläutet, die jedoch von Ungewissheit geprägt ist. Außerhalb des Landes gelten die Trauerfeierlichkeiten für Chamenei als Test, wie stark die Unterstützung für die Führung ist, nachdem es im Januar Massenproteste gegeben hatte, bei deren gewaltsamer Niederschlagung Menschenrechtsgruppen zufolge tausende Menschen getötet wurden.

Y.Ishikawa--JT