The Japan Times - Chinas tiefe Wirtschaftskrise

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Chinas tiefe Wirtschaftskrise




In den vergangenen Monaten hat sich die wirtschaftliche Lage in der Volksrepublik China dramatisch eingetrübt. Noch vor wenigen Jahren galt das Land als Motor des globalen Wachstums, doch jüngste Konjunkturdaten zeigen eine deutliche Abkühlung. Die Industrieproduktion wuchs im November 2025 nur noch um 4,8 % – der niedrigste Wert seit Mitte 2024 – und der Einzelhandelsumsatz legte lediglich um 1,3 % zu, so wenig wie seit dem Ende der Null‑COVID‑Politik im Jahr 2022 nicht mehr. Gleichzeitig schrumpft die Investitionstätigkeit im Immobilien‑ und Infrastruktursektor, weil viele Kommunen ihre Finanzen konsolidieren müssen und profitträchtige Projekte rar geworden sind.

Abschwächung des Wachstums und Produktivitätsrückgang
Der Internationale Währungsfonds weist darauf hin, dass Chinas Wachstum künftig vor allem von der Produktivitätssteigerung abhängt. Während die Gesamtfaktorproduktivität in früheren Jahrzehnten jährlich um durchschnittlich drei Prozent zulegte, ist sie in den letzten zehn Jahren auf rund ein Prozent pro Jahr gesunken. Die Regierung versucht, den Umbau von arbeitsintensiver Massenproduktion zu einer technologiegetriebenen „intelligenten Wirtschaft“ voranzutreiben, indem sie Hightech‑Branchen wie künstliche Intelligenz und Halbleiter fördert. Dennoch drückt eine Kombination aus überalternder Bevölkerung, hohen Schulden und geringeren Effizienzgewinnen die Wachstumsdynamik.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erwartet, dass Chinas Wirtschaftswachstum im abgelaufenen Jahr 2025 bei etwa fünf Prozent liegen wird, im aktuell gestarteten Jahr 2026 auf 4,4 % und im kommenden Jahr 2027 auf 4,3 % sinken wird. Zurückhaltende Konsumausgaben, ein anhaltender Abschwung im Immobiliensektor und wachsende Überkapazitäten in der Industrie belasten die Investitionen. Die künftige Fünf‑Jahres‑Planung sieht zwar umfangreiche Infrastrukturprojekte vor, doch diese können die Schrumpfung des Immobiliensektors nur teilweise ausgleichen.

Arbeitsmarkt unter Druck und Informationskontrolle
Parallel zur schwachen Konjunktur nimmt die soziale Spannung zu. Besonders dramatisch ist die Situation am Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote der 16‑ bis 24‑Jährigen stieg im Frühjahr 2023 auf 21,3 %. Weil die Zahl der Hochschulabsolventen jährlich neue Rekorde erreicht, bleibt der Druck hoch: Im Jahr 2025 verließen 12,22 Millionen Studierende die Universitäten, 2026 werden es laut Bildungsministerium 12,7 Millionen sein. Offizielle Daten zufolge lag die Arbeitslosenquote dieser Altersgruppe im Sommer 2025 bei 18,9 % und ging im Herbst nur leicht auf über 17 % zurück. Viele gut ausgebildete junge Menschen finden allenfalls schlecht bezahlte Stellen oder müssen ganz auf die Unterstützung ihrer Familien zurückgreifen.

Kritiker bemängeln, dass sich das wahre Ausmaß der Arbeitsmarktkrise nur schwer einschätzen lässt. Im August 2023 hat die Nationale Statistikbehörde die Veröffentlichung der Jugend‑Arbeitslosenzahlen abrupt eingestellt und die Methodik für die Erfassung dieser Daten geändert. Seitdem werden beispielsweise Studierende, die vor Abschluss ihres Studiums einen Job suchen, nicht mehr erfasst. Zeitgleich beschränkten die Behörden den Zugang zu Firmenregistern und Wirtschaftsdaten für ausländische Investoren und verschärften das Vorgehen gegen Recherchefirmen. Diese Informationskontrolle hat zu einem drastischen Vertrauensverlust bei internationalen Investoren geführt.

Immobilienkrise und Konsumzurückhaltung
Die Krise auf dem Immobilienmarkt, in dem viele Entwickler mit hoher Verschuldung und sinkenden Preisen kämpfen, hat die Vermögenslage der Haushalte belastet. Die Immobilienpreise fallen, neue Projekte werden gestoppt und Bauträger wie Evergrande und Country Garden stehen vor der Insolvenz. Das Weltbank‑Büro in Peking beschreibt die Lage so: Der Immobiliensektor bleibt ein „Klotz am Bein“ für die Volkswirtschaft, weil sinkende Hauspreise die Konsumenten verunsichern, die Investitionstätigkeit bremsen und auf die Einnahmen der Kommunen drücken.

Viele chinesische Familien investieren den größten Teil ihrer Ersparnisse in Immobilien oder Bankeinlagen, was den Konsum hemmt. Laut der Weltbank stammen fast die Hälfte der privaten Sparvermögen aus Immobilien und rund ein Viertel aus Bankeinlagen. Vorsichtsbedingtes Sparen, fehlende Alternativen für langfristige Geldanlagen und pessimistische Einkommensperspektiven halten den Konsum zurück. Gleichzeitig bleibt der Zugang zu transparenten Finanzprodukten begrenzt.

Globale Krisen verstärken die Rezession
Die wirtschaftliche Abkühlung Chinas vollzieht sich vor dem Hintergrund zunehmender globaler Unsicherheiten. Der anhaltende rücksichtlos kriminelle Krieg des Terror-Staates Russland gegne die Ukraine hat die Energiemärkte dauerhaft verändert, weil Europa und andere Regionen seit dem Wegfall russischer Gaslieferungen nach alternativen Energiequellen suchen. Dieser Verlust an günstiger Energie verteuert Produktion und Transport – Folgen, die auch die exportorientierte chinesische Industrie zu spüren bekommt.

Im Nahen Osten haben die Eskalationen zwischen Israel und der Hamas sowie zwischen Israel und Iran 2024 und 2025 die Ölpreise nach oben getrieben. Finanzanalysten warnen, dass ein Ausdehnen der Kämpfe oder eine Sperrung der Straße von Hormus die Ölpreise erneut über 100 US‑Dollar treiben könnte. Iran produziert etwa 3,6 Millionen Barrel Öl pro Tag und liefert fast 90 % seiner Ausfuhren nach Asien, vor allem nach China. Jede Störung dieser Lieferungen würde sich unmittelbar auf Chinas Energieversorgung und Produktionskosten auswirken.

Die Auswirkungen der Konflikte reichen weit über den Energiemarkt hinaus. Laut geopolitischen Risikoanalysen haben Kriege wie der in der Ukraine und der Krieg zwischen Israel und der Hamas die Lebensmittel‑ und Energiepreise in die Höhe getrieben und die Inflation weltweit angefacht. Dies hat die realen Einkommen vieler Haushalte geschmälert und die Geldpolitik der großen Notenbanken beeinflusst. In Europa musste die Wiederinbetriebnahme alter Kohlekraftwerke die Energieversorgung sichern, während in Asien Regierungen an Strategien arbeiten, um den Zugang zu kritischen Rohstoffen zu garantieren.

Auch handelspolitische Spannungen belasten den chinesischen Außenhandel. Die Vereinigten Staaten haben Anfang 2025 die Zölle auf chinesische Waren erhöht, was den seit Jahren bestehenden Handelskonflikt weiter anheizt. Gleichzeitig errichten andere Industrieländer Barrieren gegen chinesische Exporte, weil sie ihre heimische Industrie schützen wollen. Chinas Handelsüberschuss, der im Jahr 2025 fast eine Billion US‑Dollar erreichte, stößt international auf Kritik und dürfte in Zukunft zu weiteren Protektionismusmaßnahmen führen.

Herausforderungen und mögliche Auswege
China befindet sich in einer Phase tiefgreifender struktureller Umbrüche. Die demografische Alterung, die Verschuldung von Unternehmen und Kommunen, die Abhängigkeit vom Immobiliensektor sowie die unzureichende soziale Absicherung wirken als Bremse für das Wachstum. Gleichzeitig verschärfen globale Konflikte die Rezessionsrisiken: gestörte Lieferketten, steigende Rohstoffpreise und protektionistische Maßnahmen treffen eine Wirtschaft, die stark vom Welthandel abhängig ist.

Die chinesische Führung hat zwar Konjunkturpakete angekündigt und versucht, den Binnenkonsum zu stimulieren, etwa mit Kaufprämien für Autos oder Haushaltsgeräte und einem Ausbau des Feiertagskalenders. Allerdings zeichnen Experten ein sehr skeptisches Bild: Ohne strukturelle Reformen, eine Stärkung der sozialen Sicherungssysteme und eine Öffnung für private Initiative lassen sich Vertrauen und Produktivität kaum steigern, dies einhergehend mit der Öffnung Chinas in Richtung Westen, wo die Abnehmer chinesischer Produkte sitzen, welche jedoch wenig Vertrauen in die chinesische Führung haben, solange China an der Seite Russlands den Krieg in der Ukraine unterstützt.

Wohin steuert China?
Der weitere Kurs Chinas hängt davon ab, ob es gelingt, Transparenz und Rechtsstaatlichkeit zu verbessern, die Informationskontrolle zu lockern und den Aufstieg einer innovationsgetriebenen Wirtschaft zu fördern. Nur so könnte die Volksrepublik die gegenwärtige Wirtschafts‑ und Vertrauenskrise überwinden und in einem von geopolitischen Konflikten und globaler Rezession geprägten Umfeld wieder zu stabilem Wachstum finden.



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