The Japan Times - Vor Weltkriegsgedenken in Moskau: Russland und Ukraine überziehen sich mit neuen Angriffen

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Vor Weltkriegsgedenken in Moskau: Russland und Ukraine überziehen sich mit neuen Angriffen
Vor Weltkriegsgedenken in Moskau: Russland und Ukraine überziehen sich mit neuen Angriffen / Foto: Igor IVANKO - AFP/Archiv

Vor Weltkriegsgedenken in Moskau: Russland und Ukraine überziehen sich mit neuen Angriffen

Einen Tag vor der Gedenkfeier zum Weltkriegsende in Moskau haben sich Russland und die Ukraine trotz einer von Russland verkündeten Feuerpause gegenseitig mit Angriffen überzogen. Russland habe "nicht einmal einen symbolischen Versuch unternommen, eine Waffenruhe an der Front einzuhalten", erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitag. Kiew und Moskau meldeten Drohnenangriffe der jeweils anderen Seite in der Nacht. Russland hatte anlässlich der Militärparade am Samstag in Moskau einseitig eine zweitägige Waffenruhe ausgerufen.

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Die Feuerpause trat ab Freitag um Mitternacht in Kraft. Die Ukraine hatte Kreml-Chef Wladimir Putin aber vorgeworfen, er wolle dadurch lediglich erreichen, dass die Parade auf dem Roten Platz ungestört stattfinden könne. Kiew fühlte sich an die von Moskau ausgerufene Waffenruhe nicht gebunden. Russland hatte seinerseits den ukrainischen Gegenvorschlag für eine Einstellung der Kampfhandlungen ab Mittwoch ignoriert.

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew wurde am Freitagmorgen kurzzeitig Luftalarm ausgelöst. Die Sirenen tönten für mehrere Minuten, wie AFP-Reporter berichteten.

Das russische Verteidigungsministerium hatte mit einem Vergeltungsangriff gedroht, sollte die Ukraine die russischen Gedenkfeierlichkeiten zum Sieg über Nazi-Deutschland am 9. Mai attackieren. Moskau rief die Bewohner Kiews und ausländische Diplomaten auf, die Stadt "rechtzeitig" zu verlassen.

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) schloss am Donnerstag jedoch einen Abzug des deutschen Botschaftspersonals in Kiew aus. Ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel erklärte, dass auch die EU ihre Botschaft in Kiew nicht räumen werde.

Die ukrainische Luftwaffe erklärte am Freitag, sie habe in der Nacht 67 russische Drohnen mit großer Reichweite abgeschossen, deutlich weniger als in den vergangenen Wochen. "Wie bereits in den vergangenen 24 Stunden wird die Ukraine auch heute entsprechend reagieren", kündigte Selenskyj an. Er sprach zudem von hunderten russischen Drohnenangriffen an der Front.

In der Sperrzone um das einstige Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine brach nach einem Drohnenabsturz ein großer Waldbrand aus. Das Feuer wütete am Freitag nach Behördenangaben auf einer Fläche von rund 1100 Hektar. Die radioaktiven Strahlungswerte lagen demnach "innerhalb der normalen Grenzen". Zur Herkunft der Drohne wurden keine Angaben gemacht. Sie war den Behörden zufolge am Donnerstag in der Nähe des stillgelegten Atomkraftwerks abgestürzt, in dem es 1986 zur schlimmsten zivilen Nuklearkatastrophe der Geschichte gekommen war.

Aus Moskau hieß es vom russischen Verteidigungsministerium, seit Inkrafttreten der einseitigen Waffenruhe seien 264 ukrainische Drohnen abgefangen worden. Das Ministerium erklärte, die russische Armee reagiere "symmetrisch" auf ukrainische Angriffe. Mehrere Flughäfen in Russland wurden am Freitagmorgen nach Angaben der Luftfahrtbehörde wegen drohender ukrainischer Angriffe vorübergehend geschlossen.

Bei der traditionellen Parade zum Weltkriegsende am Samstag in Moskau sollen aus Angst vor ukrainischen Angriffen anders als in den vergangenen Jahren keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät auffahren. Außerdem wurden Internetsperren verhängt. Auch die Zahl der ausländischen Gäste ist geringer als üblich – laut Kreml werden lediglich die Staatschefs von Belarus, Malaysia und Laos anwesend sein. Der Moskau-freundliche slowakische Regierungschef Robert Fico nimmt diesmal nicht an der Parade teil, trifft nach eigenen Angaben aber "kurz" Kreml-Chef Wladimir Putin.

Selenskyj warnte ausländische Politiker vor der Teilnahme an der Militärparade in Moskau. "Wir haben auch Meldungen aus einigen an Russland angrenzenden Staaten erhalten, wonach deren Vertreter vorhaben, nach Moskau zu reisen", sagte er am Donnerstag. "Ein seltsamer Wunsch, gerade in diesen Tagen. Wir raten davon ab."

Die diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs haben bislang keinen Durchbruch gebracht und sind durch den Iran-Krieg in den Hintergrund geraten. Moskau fordert, dass sich die Ukraine aus vier ukrainischen Regionen zurückzieht, die Russland für sich beansprucht. Kiew weist das als inakzeptabel zurück.

Selenskyj erklärte am Freitag, er hoffe auf einen baldigen Neustart der Verhandlungen. Er rechne mit einem Besuch der Unterhändler von US-Präsident Donald Trump in der Ukraine in den kommenden Wochen. Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umerow war am Donnerstag nach Miami gereist. Nach Angaben aus Kiew war ein Treffen Umerows mit Trumps Gesandtem Steve Witkoff und Präsidenten-Schwiegersohn Jared Kushner geplant.

Russland hatte im Februar 2022 seine groß angelegte Invasion gestartet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte am Freitag mit, dass seit Kriegsbeginn mehr als 3000 Angriffe auf das ukrainische Gesundheitssystem registriert worden seien. "Jeder einzelne dieser Angriffe stellt einen Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht dar", erklärte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge. "Das darf nicht zur Normalität werden."

M.Ito--JT